Rückblick Trendtagung Lokalmedien 2016

  19. April 2016     Hotel Krone Unterstrass, Zürich
Rückblick Trendtagung Lokalmedien 2016

Der Wandel in den Medien macht auch vor den Kleinen keinen Halt. Lokalmedien experimentieren seit langem mit crossmedialen und digitalen-Konzepten. Doch wie lässt sich daraus ein Return on Investment erwirtschaften? Das war die zentrale Frage der Trendtagung Lokalmedien, welche rund 85 Fachleute beschäftigte.

Veranstaltet wurde die Trendtagung Lokalmedien vom MEDIENINSTITUT des Verbands SCHWEIZER MEDIEN. Fünf Referenten haben sich zum Thema geäussert und aus ihrem Fachgebiet berichtet.

«Mit Lokaljournalismus ist man näher am Zielpublikum»
Es gibt wohl unterschiedliche Wege und Möglichkeiten als Lokalmedium auch im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen. Neues wird ausprobiert, und dabei ist nicht die Rede von einem Online-Pendant zu Print oder einem zum Lokalmedium zugehörigen Facebook Account. Roland Oetterli, Direktor der Zofinger Tagblatt AG, ist sogar der Meinung, dass die Zeiten von Facebook und Blogs, aber auch der Gratiszeitungskultur nicht ewig anhalten werden, denn die Kassen klingeln nicht oder wenn, dann nur bei wenigen. Vorteil der Lokalmedien ist die Kernkompetenz der Informationsbeschaffung und –aufbereitung im lokalen Raum und die damit verbundene Nähe zur Bevölkerung. Grössere Medienhäuser haben ihre Kompetenzen im Online-Bereich oder im Entertainment in den letzten Jahren massiv ausgeweitet, wodurch die klassische publizistische Arbeit vielfach etwas in den Hintergrund gerückt ist. Auch Erich Gmünder, Chefredaktor der «Tüüfner Poscht», glaubt, dass das Erfolgsrezept im Lokaljournalismus vor allem in der Nähe zur Bevölkerung und den Institutionen zu finden ist. Beide sind sich einig: Das Ziel der Lokalmedien ist es, seine Nische zu finden, diese zu nutzen und zu verteidigen. Reine Konkurrenzstrategien sind im lokalen Markt weder wünschenswert noch erfolgversprechend, findet Roland Oetterli.

«Was bringt’s?»
Diana Dietrich, Leiterin Marketing und Leserservice, Freiburger Nachrichten AG, präsentierte verschiedene Leserbindungs-Massnahmen und stellte dazu die alles entscheidende Frage: «Was bringt’s?». Lohnen sich neue kreative Wege überhaupt? Anhand eines Projekts der Freiburger Nachrichten AG «Zeitung im Gymnasium – ZiG» zeigte sie auf, dass sich solche neue Ideen durchaus lohnen. Das Ziel von ZiG ist u.a, Wirtschaftspartnern, welche das Projekt finanziell unterstützen, eine unkonventionelle Art der Public Relations zur Verfügung zu stellen sowie den beteiligten Klassen das Erarbeiten von Facharbeiten und intermediale Kompetenz zu vermitteln. Die Leserbindung sei damit durchaus gelungen, auch wenn neue Abonnements nur damit,  laut Dietrich, noch nicht verkauft seien.

«Es gibt nicht nur den einen Plan»
Auch Petra Keussler, Geschäftsführerin und Inhaberin der Mediaagentur the Generation Media AG, ist der Meinung, dass es viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, sich als Lokalmedium auch im Werbemarkt zu positionieren, um in Medienplänen berücksichtigt zu werden. Es gibt diverse Strategiemodelle, welche ganz individuell auf Lokalmedien abzielen und kombiniert werden können. Da Lokalmedien aus methodischen Gründen nicht immer in den Reichweitenstudien erfasst werden können, sei es umso wichtiger, dass der Kontakt zu den Agenturen gepflegt und Informationen und Daten aus den lokalen Märkten zur Verfügung gestellt würden. Doch nicht zu vergessen im Diskurs über neue crossmediale-Strategien, sind die rechtlichen Grenzen, welche allen Beteiligten der Schweizer Medienlandschaft, seien es grosse oder kleine Zeitungstitel, untergeordnet sind. Aufgepasst, «Es wird heute viel schneller geklagt», meint Dr. Mirjam Teitler, Rechtskonsulentin des Verbands SCHWEIZER MEDIEN. Die Ehre, Privat- und Intimsphäre sowie das Recht am eigenen Bild und der eigenen Stimme seien zu wahren. Werden diese Rechtsgüter nicht gewahrt, droht heute rasch einmal ein Gerichtsverfahren, denn heutzutage ist der Weg zur Klage ein kurzer.

Zusammenfassend kann gesagt werden: «Ohne Kleine gibt’s keine Grossen», wie der erste Referent Roland Oetterli, Direktor der Zofinger Tagblatt AG, so schön sagte. Es ist das Zusammenspiel von kleineren sowie grösseren Zeitungstiteln, welches die Schweizer Medienlandschaft so vielfältig macht.


Stephanie Schelling

 

Termin / Veranstaltungsort

19. April 2016

Hotel Krone Unterstrass, Zürich

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